Artikel getaggt mit bezahlbarer Wohnraum

soziale Ausgrenzung ist kein Ilmenauer Phänomen

Ilmenau ist ein Hochschulstandort, Arbeitsplatz und ein kulturelles Zentrum im Thüringer Wald. Viele Menschen kommen zum Arbeiten, zur Ausbildung, zum Studieren, kurzum zum Leben nach Ilmenau. In den Großstädten steigen die Mieten stetig und auch in Ilmenau gibt es mittlerweile die höchsten Bodenpreise des gesamten Ilm-Kreises. Parallel steigen die Betriebskosten jährlich an. Gleichzeitig werden soziale Hilfen und die kleinen Gehälter langsam von der Inflation aufgebraucht. Nicht wenige der kleinen Leute geben schon jetzt 50% ihres Monatseinkommen für die eigenen vier Wände aus.

Der Mangel an bezahlbaren Räumlichkeiten wirkt sich auch auf viele soziale Projekte aus. Unkommerzielle Projekte spielen kein Geld ein, welches reichen würde um die nötige Miete zu bezahlen und sind nicht so lukrativ wie bspw. Oberklassewohnungen. Studentenwerk Thüringen, Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) und Ilmenauer Wohnungsgesellschaft (IWG) sind nicht in der Lage neuen Wohnraum zu schaffen. Bürgermeister und Oberbürgermeister halten sich selbst nicht für zuständig.

Wir haben ein anderes Gebäude in Ilmenau in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion angefangen zu renovieren, um zu zeigen, dass auch Ilmenau ein Wohnungsproblem für Menschen ohne starken finanziellen Hintergrund hat. Die Solidarität quer durch die Stadtgesellschaft unterstrich diese Wahrnehmung. Es fehlt an sozialem Wohnraum in einer Preislage die nicht mehr profitabel ist. Nur noch finanzstarke Investoren wie Marek Schramm, Wolf&Fabig u.a. können noch Wohnungen bauen, die sich wieder nur Studierende mit reichen Eltern oder gutgestellte Arbeitnehmer_innen leisten können. Diese Wohnungen sind auch oft von schlechter Qualität, d.h. schlecht gedämmt, schimmeln und sind überteuert. Immer darauf ausgerichtet schnell viel Geld zu verdienen.

Die Verdrängung oder Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsschichten nimmt zusätzlich negativ Einfluss auf die Bildungsmöglichkeiten von Arbeiter_innenkinder. Sie werden vom Studieren zunehmend u.a. dadurch ausgeschlossen. Das BAföG sieht eine Wohnpauschale von 224€ vor, die jedoch nicht an die Situationen in den Hochschulstädten angepasst wird. Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch in Ilmenau bei den letzten Studierenden die Wohnkosten die Pauschale übersteigt. Der restliche Grundbedarf orientiert sich nicht an den steigenden Fahrtkosten, Verpflegungskosten, Semesterbeiträgen, uvm.

Das Problem ist flächendeckend. Der Prozess der Verdrängung der Menschen mit kleinen Einkommen ist kein neues Symptom Ilmenaus. In vielen anderen Städten wie Jena oder Berlin geht es ähnlich zu. Es ist ein strukturelles bzw. systematisches Problem, dass auf das fehlende Eingreifen der Politiker_innen in den entfesselten kapitalistischen Wohnungsmarkt zurückgeht. Das Gewinnen einiger Weniger wird auf dem Rücken der breiten Gesellschaft ausgetragen.

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Studis gegen Wohnungsnot: bundesweite Aktionswoche beginnt

Wir als ehemalige Besetzer_innen solidarisieren uns mit den Forderungen der bundesweiten Aktionswoche „Studis gegen Wohnungsnot“. Hier findet ihr den Aufruf.

Gemeinsam mit „Studis gegen Wohnungsnot“ fordern wir

  • Gesicherte Bereitstellung von bezahlbaren Wohnungen in Hochschulnähe
  • Neubau von mindestens zusätzlichen 25.000 Wohnheimplätzen und Schaffung eines Bund-Länder-Programms zur ausreichenden Wohnungsversorgung
  • Erhöhung der finanziellen Förderung der Studierendenwerke durch Bund und Länder, u.a. für Instandhaltung und Sanierung der Wohnheime
  • Rekommunalisierung von ehemals staatlichen und städtischen Wohnungen oder Flächen und ein verstärktes Engagement der Kommunen im sozialen Wohnungsbau
  • Mietpreisbremse bei Altverträgen und keine Mieterhöhung wegen Neuvermietung
  • Ausbau des barrierefreien und familiengerechten Wohnraums
  • Wer Makler*innen beauftragt, muss auch für sie zahlen
  • Gewährleistung von kostenlosen Notfallunterkünften – schon in diesem Herbst!

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